Lehrkräftefortbildung: Lernen durch eigene Erfahrung

Am 19. März 2026 fand an der Kraichgau-Gemeinschaftsschule in Mühlhausen die vierte und letzte Fortbildung im Rahmen des Projekts MINT[ensiv]-Lernkreislauf für Gemeinschaftsschulen der Metropolregion Rhein-Neckar statt. Lehrkräfte aus fünf Schulen testeten ihren Blutsauerstoff, Ruhepuls und Puls unter Belastung, führten Glucosetests und EKG-Messungen durch und nutzten eine Wärmebildkamera.

Bei dieser Fortbildung und dem folgenden Projekttag „Gesundheitstechnologie“ ging es darum, die technischen Möglichkeiten zu entdecken, aber auch darum zu lernen, mit Herausforderungen umzugehen. Wie fühlt es sich an, wenn Messwerte nicht sofort einzuordnen sind? Wenn man unsicher ist, ob man alles richtig macht?

Diese Erfahrung ist zentral für den Projekttag: Die Schüler*innen werden nicht nur medizinische Geräte kennenlernen und bedienen, sondern dabei auch den eigenen Körper bewusst wahrnehmen. Sie werden ihre eigenen Daten sammeln, ihre Werte in kleinen Teams vergleichen und sich Zusammenhänge aus den Angaben erschließen.

Role Models bewusst eingesetzt

Aus dem Austausch der Lehrkräftefortbildung ging bereits eine konkrete Anpassung der Projekttage hervor: Die Lehrkräfte sprachen sich dafür aus, in Form von Videos zum Thema Frauen in MINT-Berufen klischeefreie Einblicke einzubinden – mit klarem Bezug zum Projekttag.

Perspektivisch sollen den Schüler*innen also Videos präsentiert werden, die MINT-Berufe in der Gesundheitstechnologie vorstellen. Zugleich sollen die Videos Vorbilder für Mädchen und junge Frauen vorstellen und sie dazu ermutigen, die eigenen Talente und Neigungen in dem Bereich zu erkunden. Damit sollen die Schüler*innen zur Selbstreflexion angeregt werden und Brücken zwischen der Lebensrealität der Jugendlichen und ihren beruflichen Perspektiven geschlagen werden.

Uns hat es besonders gefreut, dass der Austausch nicht mit dem offiziellen Programm endete. Stattdessen haben die Lehrkräfte auch in den Pausen und nach Programmende intensiv weiter diskutiert. Dieser offene Austausch ist ein wichtiger Teil des Lernkreislaufs.

Dr. Annja Huber, wissenschaftliche Referentin bei der IJF

Kreatives Bauen: Die Daumenprothese als Unterrichtsimpuls

In der Fortbildung haben die Lehrkräfte eigene Prothesen entwickelt und anschließend im „Daumenparcours“ getestet. Dabei ging es um einfache, aber für die eingesetzte Technologie aufschlussreiche Aufgaben: Bälle aufheben, Wäscheklammern öffnen und schließen, Gegenstände greifen.

Die Teilnehmer*innen merkten schnell, bei welchen Bewegungsabläufen ihre Daumen unverzichtbar sind, und welche Lösungen tatsächlich funktionieren. Gemäß dem Design-Thinking-Ansatz wurden schließlich alle Prototypen überarbeitet und optimiert.

 

 

 

Die Fortbildung machte deutlich, dass Gesundheitstechnologie heute in vielen Bereichen stärker genutzt wird als oft angenommen – von Personenwaagen über Fitnessarmbänder bis hin zu Telemedizin. Im bevorstehenden Projekttag werden die Schüler*innen aktiv: Sie werden die Rolle von Versorgungsassistent*innen übernehmen, eigene Messwerte erfassen, diese vergleichen und schließlich Zusammenhänge zwischen den Daten erkennen. Danach können die Lehrkräfte in ihrem Unterricht den Bau einer eigenen Daumenprothese mit ihren Schüler*innen umsetzen.

Wir danken der Klaus Tschira Stiftung

Die Klaus Tschira Stiftung fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik – mit den Schwerpunkten Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein.