MINT[ENSIV]-Lernkreislauf bringt frischen Schwung an Gemeinschaftsschulen

Bilanz des ersten Projektjahres

Der von der Klaus Tschira Stiftung geförderte MINT[ENSIV]-Lernkreislauf hat im ersten Jahr 14 Lehrkräfte aus 7 Gemeinschaftsschulen in der Metropolregion Rhein-Neckar gestärkt und über 580 Schüler*innen durch praxisnahe Projekttage für Naturwissenschaften begeistert – trotz akuten Lehrkräftemangels.

Nach dem ersten Jahr des MINT[ENSIV]-Lernkreislaufs zieht die Initiative Junge Forscherinnen und Forscher e. V. (IJF) eine positive Bilanz gerade wegen der besonderen Herausforderungen, mit denen Schulen aktuell konfrontiert sind. Das von der Klaus Tschira Stiftung geförderte Projekt verfolgt das Ziel, fachfremd unterrichtende Lehrkräfte an Gemeinschaftsschulen in der Metropolregion Rhein-Neckar gezielt zu stärken und Schüler*innen durch forschend-entdeckendes Lernen für die sogenannten MINT-Fächer zu begeistern.

Mitten im Alltag: Lehrkräftemangel trifft auf Gestaltungswillen

Statt ursprünglich geplanten drei Lehrkräften pro Schule konnten meist nur eine oder zwei an der Fortbildungsreihe teilnehmen – aufgrund von Krankheitsausfällen, fehlenden Vertretungen und strukturellen Engpässen.

Doch der Projektverlauf zeigte, dass darin auch eine Chance lag: Die insgesamt 14 Lehrkräfte aus sieben Gemeinschaftsschulen waren hochmotiviert. Sie investierten Zeit, Energie und großes persönliches Engagement – oft zusätzlich zu einem ohnehin vollen Stundenplan. In persönlichen Gesprächen wurde deutlich: Der direkte fachliche Input, das praxisnahe Material und der geschützte Rahmen zur vertieften Auseinandersetzung mit MINT-Themen war ein großer Gewinn. Der Austausch zwischen Lehrkräften verschiedener Schulen öffnete neue Blickwinkel und machte sichtbar, dass viele Herausforderungen ähnlich sind – und gemeinsam gelöst werden können.

„Es ist nicht nur Wissen, das vermittelt wird, sondern echtes Interesse und Selbstvertrauen durch kreativen Umgang mit MINT-Themen.“

Dr. Annja Huber, Projektreferentin bei der Initiative Junge Forscherinnen und Forscher

Fortbildungen mit Tiefgang und Praxisbezug

Zwei ganztägige Fortbildungen bildeten das Rückgrat des ersten Projektjahres: eine zur Themenwelt „Bionik & Leichtbau“, die andere zu „Erneuerbaren Energien“. In der ersten Fortbildung experimentierten die Teilnehmenden unter anderem mit Faserverbundstoffen, erprobten den Lotuseffekt und lernten dabei gezielt Aufgaben kennen, die sich unmittelbar im Unterricht umsetzen lassen.

Die zweite Fortbildung lud dazu ein, gemeinsam ein Modell-Dorf zu entwerfen und zu bauen, das komplett mit Wind- und Solarenergie versorgt wird. In diesem kreativen Prozess wurden technische Prinzipien erlebbar gemacht und Lösungsstrategien im Team erarbeitet – immer mit Blick darauf, wie diese Projekte die Schüler*innen für erneuerbare Energien begeistern können.

Mehr als nur Fachwissen

Die Projekttage zeigten eindrucksvoll: Es geht nicht nur um Strom aus Sonne und Wind, sondern auch um Kompetenzen wie Selbstständigkeit, Zusammenarbeit, Problemlösung und Vielfalt der Perspektiven. Alles Fähigkeiten, die für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft ebenso wichtig sind wie technisches Know-how. Insgesamt erreichten die Projekttage zum Thema Bionik & Leichtbau ca. 280 Schüler*innen, bei den Erneuerbaren Energien waren es etwa 300. Für viele war es das erste Mal, dass sie MINT als etwas Kreatives und Gestaltbares erlebt haben.

Teamarbeit unter Druck – und trotzdem mit Erfolg

Der enge Kontakt zwischen IJF, Lehrkräften und Schulleitungen hat sich als entscheidender Erfolgsfaktor erwiesen. Trotz personeller Engpässe war der Wille spürbar, das Projekt im Schulalltag umzusetzen. Dieses Engagement zeigt: Auch unter schwierigen Bedingungen lässt sich Veränderung anstoßen, wenn Menschen gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Der direkte Dialog und die kollegiale Atmosphäre innerhalb des Projekts haben dabei entscheidend geholfen.

Warum sich die Investition lohnt

„Die Zahlen sprechen für sich: 14 engagierte Lehrkräfte aus 7 Schulen, über 580 Schüler*innen, die direkt von den Projekttagen profitieren konnten“ betont IJF-Projektreferentin Dr. Annja Huber. „Es ist nicht nur Wissen, das vermittelt wird, sondern echtes Interesse und Selbstvertrauen durch kreativen Umgang mit MINT-Themen.“ Alev Dreger, Programm-Managerin Bildung bei der Klaus Tschira Stiftung, ergänzt: „Dieses Projekt steht für gelebte Bildungsbegeisterung: Es stärkt nicht nur den Unterricht im Hier und Jetzt, sondern entzündet bei jungen Menschen den Funken für MINT-Themen – besonders dort, wo Chancen oft ungleich verteilt sind. Gerade an Gemeinschaftsschulen erleben wir, wie wichtig solche Impulse sind, um Perspektiven zu eröffnen und Talente zu fördern, die unsere Gesellschaft morgen dringend braucht.“

„Dieses Projekt steht für gelebte Bildungsbegeisterung: Es stärkt nicht nur den Unterricht im Hier und Jetzt, sondern entzündet bei jungen Menschen den Funken für MINT-Themen – besonders dort, wo Chancen oft ungleich verteilt sind.“

Alev Dreger, Programm-Managerin Bildung bei der Klaus Tschira Stiftung

Was bleibt – und was kommt

Das erste Projektjahr hat gezeigt: Der Bedarf an fachlicher Stärkung und praxisnaher Unterstützung im MINT-Bereich ist gerade an Gemeinschaftsschulen hoch. Gleichzeitig gibt es engagierte Lehrkräfte, die bereit sind, neue Wege zu gehen und Veränderungen aktiv mitzugestalten.

Mit weiteren spannenden Themen wie „Informationstechnologie“ und „Gesundheitstechnik“ sowie einem kontinuierlichen Austausch zwischen den Schulen startet das Projekt nun in das zweite Jahr – mit dem Ziel, die MINT-Bildung an Gemeinschaftsschulen nachhaltig zu verbessern und Schüler*innen für eine zukunftsfähige Berufswahl zu motivieren.

Wir danken der Klaus Tschira Stiftung

Die Klaus Tschira Stiftung fördert Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik – mit den Schwerpunkten Bildung, Forschung und Wissenschaftskommunikation. Das bundesweite Engagement beginnt im Kindergarten und setzt sich in Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen fort. Die Stiftung setzt sich für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft ein.